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Eine Rollenvermischung- bzw. Verzerrung der Geschlechter, durch die Darstellung von Körpern abseits zeitgemäßer Ästhetik, durch die Konzentration auf das Fleisch und über diesen Weg der Versuch klare gesellschaftlich konstruierte Zuordnungen und Rollenbilder zu verwischen, wird dabei angestrebt. Die Werke können als körperpolitische Arbeiten gesehen werden, in denen ich versuche den unverstellten Menschen, fern auferlegter Vorgaben, seine grundsätzliche Befreiung (nicht nur von Geschlechterrollen) darzustellen.

Die Faszination an der Masse, die die Formen verschwimmen lässt, die in unserer gegenwärtigen Gesellschaft auf Körper bezogen jedoch streng vermieden wird, in der Gier und dem Ausdruck des Profits jedoch zum Vorschein tritt, steht dabei im Vordergrund. Die körperliche Präsenz, wie u.a. im Fall der Darstellung dominanter, weiblicher Formen (im Gegensatz zu den anderen Werken, die männliche, in sich gekehrte Körper präsentieren), ist umgeben von einem undefinierten, beinah himmlischen Raum, als Symbol der eigenen Träume und Visionen vom unverstellten Wesen des Menschen und einer Wirklichkeit in der der Mensch seine individuelle Realität selbst wählt, das eigene Wesen reflektiert und annimmt und mit Hilfe eines kindlichen Herzens handelt. Obwohl die Darstellung auf den ersten Blick offen gelegte Körperlichkeit betont, liegt der Fokus schließlich auf dem Ausdruck, auf den Augen aus denen die Seele spricht. Das Gesicht ist daher detailliert und realitätsnah hervorgearbeitet, wohingegen sich der Körper zur Abstraktion neigt.

Dabei imitiere ich mit Hilfe des zeitgenössischen Malmittels Acryl die traditionelle Technik der Ölmalerei. Wohingegen Öl, das Symbol einer alten Zeit, mehr Tiefe besitzt, versuche ich dem Zeitgenössischen, in einer Art Nostalgie, wieder mehr Tiefe zu geben. Eine Anspielung darauf, dass auch wenn sich die Darstellungsweise (z.B.: Naturalismus im Gegensatz zu Fotorealismus) und die Mittel verändert haben, der Mensch und die Sehnsucht des Menschen doch immer dieselbe ist.

»Je est un autre. I is another«[1] (with thanks to Rimbaud and in memory of Carl Rotky)

As defined by Arthur Rimbaud in his writings of 1871, »[…] It is wrong to say: I think; one ought to say I am being thought. [...]«[2] not only the reflection of the other party determines our consciousness/awareness, there not only remains intellectual manipulation, but present technology enables to specify, respectively manipulate, physical existence of mankind from the bottom. It is only then possible for me to appreciate as positive that my personality is specified by the reflection of others, when I am able to regard the other person as a reflection of my authentic self, when I identify myself as spiritual descendant of my granduncle, the painter Carl Rotky. The thought will be a negative one as soon as the individual is defined by the others, especially when that means manipulation of emotional and physical images. Diversity and characteristics are the means of universal unity. Nature itself, the landscape itself, does not contain any straight line, any artificial composition – its beauty can exclusively be seen in apparent disarrangement. That might be referred to human beings, as well.
If you want to refer those ideas to my oeuvre it represents the following scene: the landscape of my granduncle – in reminiscence of his nature - is located in the background of the painting (Abendhimmel by Carl Rotky). The present, and with it my artwork, is put in the foreground. The „imperfect“ person cut out in the foreground as in a setting, reminiscence of nature, landscape and its viewer, is perfect in her incompletion, in her fortunate diversity.

[1] Wikipedia: »Arthur Rimbaud«, in: Wikipedia. Die freie Enzyklopädie (03.04.2014), online unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Rimbaud (23.04.2014), Arthur Rimbaud: Original franz. »Je est un autre«. Brief an Paul Demeny, 15. Mai 1871, zweiter Seherbrief

[2] Schantl, Alexandra: »„Ich ist ein anderer“. Die Kunst der Selbstdarstellung«, in: Raumtexte zur Ausstellung. LAMUN - Landesmuseum Niederösterreich. Ausstellungskatalog (25.09.2010-26.04.2011), online unter: http://www.landesmuseum.net/de/ausstellungen/rueckblick/2010/ich-ist-ein-anderer-die-kunst-der-selbstdarstellung/ich-ist-ein-anderer/Raumtexte_Ich%20ist%20ein_2.pdf (23.04.2014)